Mit Fragen leben

Ein Jahr ist es her, da versammelten sich ca. 40 von uns ein Wochenende lang, um miteinander eine Frage zu stellen: „Herr, was sollen wir tun…?“ Wir haben an dem Wochenende KEINE Stimme vom Himmel gehört, KEINE klare Antwort bekommen „dies und das sollt ihr tun.“ Aber diese Tage im Mai stießen etwas in uns an: Unsere innere Haltung veränderte sich.

Am Anfang des Wochenendes war ich noch sehr mit dem „WAS“ beschäftigt: „Herr, was sollen wir tun…“ Doch Stück um Stück wurde mir klar: Eigentlich geht es nicht um das WAS, sondern eigentlich geht es um das WER. WER hat das Sagen. Nicht „Herr, was sollen wir tun…?“, sondern „Herr, was sollen wir tun…?“

Ich kann das Leben auf ganz verschiedene Weise leben:
Ich kann tun, was andere Menschen sagen.
Ich kann tun, was ich selbst für wichtig halte.
Ich kann tun, was die Götzen und Teufel wollen.
Und ich kann tun, was Gott von mir will.

Christ sein heißt: Er, der Herr, ist Chef. Er hat das Sagen.

Wenn der Herr sagt: „Vergib“, dann vergib.
Wenn der Herr sagt: „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge“, dann zieh zuerst den Balken aus deinem Auge.
Wenn der Herr sagt: „Überdenke deine Hartherzigkeit“, dann überdenke deine Hartherzigkeit.
Wenn der Herr dich fragt: „Sind deine Prioritäten auch meine Prioritäten?“,
dann prüfe dich und deine Prioritäten.
Wenn der Herr sagt: „Liebe!“, dann liebe.

In all dem entscheidet aber das WER über das WAS.
Nur wenn der Herr in deinem Leben wirklich das Sagen hat, wirst du Dinge
ändern wollen – und dann auch ändern. „Herr, was soll ich tun…?“

Christsein heißt: Jesus ist der Herr.
Christsein heißt: „Ich will nicht mehr, was ICH will, sondern was ER will.“
Das heißt, als Getaufte leben.

Auch als ganze Gemeinde sollen wir nicht tun und wollen, was WIR tun wollen, sondern was ER will. Natürlich, eine Selbstverständlichkeit. Aber leben wir das auch?
Sind wir als Gemeinschaft bereit, immer wieder zu fragen: „Herr, was willst DU? Was ist DEINE Sicht?“ Nehmen wir uns dafür genügend Zeit zum Fragen und Hören?

Es liegt eine große Versuchung darin zu meinen, bereits das Richtige zu tun, weil man es ja sonst nicht tun würde? – Unsere Wege sind nicht automatisch SEINE Wege (vgl. Jesaja 55,8).

Deshalb haben wir als Kirchenvorstand uns eine extra Runde gegönnt: Eine extra Runde des Fragens „Herr, was willst du?“ Dabei ging es um den Anbau an das Glösaer Pfarrhaus (näheres auf der nächsten Seite). 2023 hatten wir einen kirchlichen Bauantrag inkl. Antrag auf finanzielle Förderung des Baus durch die Landeskirche gestellt. Ende 2023 kam der freudige Bescheid, dass wir einen großen Teil der Baukosten von der Landeskirche bekommen. Ohne diesen hätten wir nicht bauen können. Doch sollen wir überhaupt bauen – in diesen unsicheren Zeiten, in denen nicht nur die kirchlichen Finanzmittel, sondern auch die allgemeinen Gemeindegliederzahlen nicht größer, sondern kleiner werden? „Herr, was willst du?“ – Nur weil wir nun bauen können, heißt das nicht, dass wir auch bauen sollen oder müssen…!

Wir haben als Kirchenvorstand gründlich alles abgewogen, bedacht, und den Herrn um seine Sicht gefragt. „Herr, was willst DU…?“ – Keiner im Kirchenvorstand „hörte“: Der Herr will es NICHT. Die überwiegende Mehrheit war sich sicher, der Herr sagt: „Wagt es. Baut!“ Und so bauen wir. Manche Fragen bleiben und manche Ungewissheiten. Doch das Votum des Herrn gibt uns Rückenwind und Halt. Gemeinsam – und mit ihm im Boot – ist das Projekt sehr wohl zu schaffen.

Die Bagger und Kipper werden aber erst im Laufe des nächsten Jahres, also 2025 auf den Pfarrhof fahren. Derzeit sind wir dabei, mit dem Architekturbüro den letzten Feinschliff für die Pläne zu machen.
Dann wird zeitnah ausgeschrieben und ab 2025 gebaut. So ist der Plan!

Es grüßt Sie
Ihr Pfarrer Markus Gnaudschun