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Gemeindebüro Chemnitz-Glösa
Kirchberg 2
09114 Chemnitz
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Auf dem Glösaer Eierberg gelegen, als romanische Kapelle/Kirche im 12. Jahrhundert erbaut, mehrfach renoviert, nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg im alten Stil wiederaufgebaut, grüßt sie über das Chemnitztal, die St. Jodokuskirche Chemnitz-Glösa. Nicht nur das restaurierte Pfarrhaus, sondern auch viele Veranstaltungen in und um die Kirche ziehen sonntags, aber auch werktags viele Menschen an.

 

 

 

 

 

 

 

Entstehungsgeschichte unserer Kirche

Die Ursprünge unserer St. Jodokuskirche

Das erste Gotteshaus war mit Sicherheit eine romanische Kirche. Der Kunsthistoriker Steche schreibt 1886 in seinem Buch über die Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens hinsichtlich der Glösaer Kirche: „Der sich östlich und westlich im Halbkreisbogen öffnende, zwischen Chor und Schiff erhebende Turmunterbau kann, obgleich romanische Einzelteile, Profile und dergleichen nicht vorhanden sind, sehr wohl als Chorhaupt (Chorraum) einer ersten romanischen Anlage aufgefasst werden, an welches sich bei größeren Raumbedürfnissen der jetzige Chor sowie eine Schiffserweiterung anschlossen“. Ein bei Ausschachtungsarbeiten im Bereich des Turmes 1952 gefundenes romanisches Säulenkapitell bestätigt obige Feststellung.

Etappen des Kirchbaues in vorreformatorischer Zeit

Im Bereich des Unterbaues des Turms befand sich die ursprüngliche romanische Kapelle/Kirche. Die an der Ostseite befindliche Apsis wurde durch einen größeren Chor ersetzt (Umbau vermutlich in den Jahren 1380 bis 1385). Der Bau des Kirchenschiffes ist wahrscheinlich mit der Errichtung der romanischen Kapelle erfolgt. Im 13. Jahrhundert ist das Schiff von ca. 13 m Länge um ca. 3 m verlängert worden. Im Turmunterbau war ein Sterngewölbe zu finden, das mit doppeltgekehlten Rippen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eingespannt worden ist.

Wehrkirche

Im 14. Jahrhundert wurde der Kirchhof als Wehranlage ausgebaut. Eine Ummauerung, versehen mit drei Türmen, sorgte für zusätzliche Sicherheit. Als im 18. Jahrhundert die Wehranlage ihre Schutzfunktion verlor, wurden die Türme niedergelegt. Auf die Grundmauern des Südturms stieß man 1920 bei der Aushebung eines Grabes in der Nähe der Südpforte des Kirchhofs. Die im Schlussstein dieser Pforte eingemeißelte Jahreszahl 1754 verweist auf die Abbruchszeit dieses Turmes. 1928 fand man ebenfalls beim Ausheben eines Grabes die Grundmauern des Nordturmes. Die mit Dachziegeln gedeckte alte Friedhofsmauer wurde 1864/65 gemeinsam mit dem Torturm abgetragen.

Nach der Reformation

Das Kirchhaus hatte damals einen Dachreiter, in welchem eine kleine Glocke hing. Über dem Chorraum wurde erst 1688 ein massiver Turm errichtet, der 1689 ein Geläut erhielt. Es ist wahrscheinlich, dass bereits der romanische Kirchenbau einen Turm hatte. Im Rahmen einer Renovierung 1715 bekam der Turm sein endgültiges Aussehen und der Dachreiter wurde abgetragen. 1886 wurde die Kirche grundlegend erneuert – die Kosten betrugen 40 000 Mark. 1888 wurde eine neue Orgel von Hoforgelbaumeister Carl Eduard Jehmlich/Dresden errichtet. Ein früherer Schöppenstuhl wurde zu einer Loge umgebaut. Die Pläne für diese Renovierung, bei der die Grundgestalt im wesentlichen erhalten blieb, stammten vom Dresdner Architekten Schramm. Der Altarschrein (Jodokusaltar) schmückt seit 1959 wieder unsere Kirche.

Der St. Jodokusaltar

Der um 1520 geschaffene Altar ist dem heiligen Jodokus geweiht. Da um diese Zeit der vorletzte Abt des Chemnitzer Benediktinerklosters, Heinrich von Schleinitz, die Glösaer Pfarre als Altersruhesitz gewählt hatte, ist anzunehmen, dass der Altar auf seine Initiative entstanden ist, wahrscheinlich hat er ihn sogar bezahlt. Der Altar stammt aus der Schule des spätgotischen Bildhauers Hans Witten. Die Figuren im Altarschrein selbst sind nicht von ihm. Die vier Tafelbilder, die bei geschlossenem Altarschrein sichtbar werden, zeigen Darstellungen aus der Legende des heiligen Jodokus. Sie werden der Schule des Leipziger Meisters Georg Lemberger zugeordnet. 1886 wurde der Altar ausgelagert, sodass er die Zerstörung der Kirche überstanden hat. Der Altar hat vier Flügel. Die Predella (Sockel des Altaraufsatzes) zeigt in gut geschnitzten Figuren und schön angeordneten Gruppen die im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts und Anfang des 16. Jahrhunderts außerordentlich beliebte Darstellung der Heiligen Sippe. Im Mittelpunkt die heilige Anna Selbdritt (Mutter von Maria), hinter ihr vier Väter und seitlich die Mutter mit den Kindern. Die einzelnen Figuren sind mit Bestimmtheit nicht zu bezeichnen. Der geöffnete 1,55 m breite und 1,40 m hohe Mittelschrein zeigt folgende schön geschnitzte Figuren mit vortrefflich gebildeten Händen:

  • Die heilige Katharina
  • Den heiligen Jodokus mit der Krone unter seinen Füßen
  • Die heilige Maria mit dem Jesuskind im Arm
  • Den heiligen Jakobus
  • Die heilige Brigitta

Von den vier Altargemälden befinden sich zwei auf der Rückseite der beiden Altarflügel, zwei weitere an der Wand zur Sakristei.

Die Kirche im Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Zerstörung 1945

Bis zur  Zerstörung am 5. März 1945 prägte die erneuerte Gestalt aus dem Jahre 1886 das Gotteshaus.
1894 machte sich die Erneuerung des Glockenstuhles notwendig, weil beim Läuten die Turmhaube bedenklich schwankte. Der Einbau eines stählernen Glockenstuhles beseitigte die Schwankungen. Unsere Kirche hatte ein Geläut mit zwei größeren Glocken, die 1689 von Christoph Hollitzer in Freiberg gegossen wurden, und einer kleineren Glocke (ca. 1832), die vom Klang her nicht dazu harmonierte. 1905 erhielt dann das Gotteshaus ein klangschönes Geläut aus drei Glocken von der Firma Albert Bierling aus Dresden. Der zweite Weltkrieg beraubte uns der zwei großen Glocken. Am 9. und 10. März 1942 wurden sie an Drahtseilen an der Nordseite des Turmes herabgelassen, um für Rüstungszwecke eingeschmolzen zu werden. Im ersten Weltkrieg waren die Glocken der Gemeinde erhalten geblieben, weil das Geläut als besonders wertvoll eingestuft worden war.

1919 konnte ein elektrischer Antrieb des Läutewerkes eingebaut werden. Bei der Zerstörung der Kirche im März 1945 stürzte die noch vorhandene kleine Glocke herab, ohne zu zerschellen. Sie wurde 1948 in einem hölzernen Glockenstuhl auf dem Friedhof untergebracht und rief so mit ihrem Klang die Gemeinde wieder zum Gottesdienst und zum Gebet.

Die gesamten klingenden Prospektpfeifen der Jehmlich-Orgel wurden im ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke entfernt, sodass der Gemeindegesang nur noch notdürftig begleitet werden konnte. So beschloss die Kirchgemeindevertretung die Aufstellung einer neuen Orgel. Im Jahre 1929 wurde die Jehmlich-Orgel durch ein neues Werk von Orgelbaumeister Hermann Eule/Bautzen ersetzt. Diese Orgel wurde 1945 mit der Kirche zerstört.

Wiederaufbau der Kirche

Im Jahre 1949 wurden die Vorbereitungen für den Neubau der Kirche getroffen. Am Bußtag 1951 wurde im Rahmen einer großen Kirchgemeindeversammlung das Programm zum Wiederaufbau entworfen. Die Grundsteinlegung fand am 28. September 1952 statt. Das Baugeschehen wurde durch die Architekten Dr. Georg Laudeley und Karl Gerlach begleitet. Am 7. Mai 1953 war gegen Abend Richtfest. Noch vor Wintereinbruch 1953/54 waren Dachschiefer und Fenster angebracht.

Weihe des Kirchenschiffes

Mit einem Festgottesdienst am 17. Oktober 1954 wurde die Weihe der neuen Kirche, genauer gesagt, des Kirchenschiffes unter Anwesenheit von Pfarrern, Kirchvorsteher, Behördenvertreter, Bauleuten sowie Junge und Alte vollzogen. Der gottesdienstliche Raum besitzt 500 Plätze, die auf zwei Emporen und Kirchenschiff verteilt sind.

Fertigstellung der Kirche

Im Jahre 1959 wurde das Gebäude fertiggestellt. Im Oktober 1958 wurde probeweise der St. Jodokusaltar aufgestellt. Der Fußboden des Altarraumes ist mit Platten aus Rochlitzer Porphyr belegt. Im Herbst 1959 erfolgte der Einbau einer von Werner Juza (aus Wachau bei Dresden) geschnitzten Sakristeitür. Sie ist eine Spende der am Bau beteiligten Handwerker. Auf der Tür befinden sich fünf Reliefs, welche die  fünf Hauptstücke des Katechismus ausdrucksstark darstellen (10 Gebote – Glaube – Vaterunser – Sakrament der heiligen Taufe – Sakrament des Altars/heiliges Abendmahl).

Geläut

Das Geläut besteht aus der noch vorhandenen kleinen Glocke sowie zwei neuen Glocken aus Apolda, die am 1. Advent 1959 angekommen sind. Da der Glockenstuhl noch nicht fertig war, konnten sie erst am 5. September 1960 eingebaut werden. Am 9. Oktober 1960 fand dann mit der feierlichen Glockenweihe der Wiederaufbau der Glösaer Kirche seinen Abschluss.

Heizung

Der Einbau einer Warmluft-/Umluftheizung erfolgte bis Ende Februar 1955.

Taufstein

Bereits bei der Weihe des Kirchenschiffes wurde der aus einem Porphyrsockel gestaltete Taufstein eingebracht. Das bei der Schuttberäumung gefundene romanische Säulenkapitell wurde auf den Sockel aufgesetzt. Auf dieser so entstandenen Halbsäule wurde eine große Kupferschale angebracht, in deren Mitte die alte silberne renovierte Taufschale liegt. Seit dem 22. Juni 1956 ziert ein aus Kupfer getriebener Deckel den Taufstein.

Erhaltung der Kirche im Zeitraum von 1960 bis zur Gegenwart

Bereits in den sechziger Jahren wurden die Vinidurdachrinnen und –abdeckungen durch solche aus Zinkblech ersetzt. Anfang der siebziger Jahre wurden die vorderen 10 Kirchenbänke mit einer Infrarotheizung als Zusatz zur bestehenden Warmluftheizung versehen. 1975 erfolgte ein Neuanstrich des Innenraumes. Das hinter der Orgel befindliche Rundfenster wurde 1979 aus bautechnischen Gründen zugesetzt und mit dem Christussymbol versehen. 1981 wurde der Kirchturm mit einer Kupferdeckung versehen, da die vorherige Schieferdeckung schon seit mehreren Jahren undichte Stellen zeigte. Die Kirchturmkugel wurde umgeschmiedet und gemeinsam mit dem Wetterhahn vergoldet. Die Montage derselben erfolgte im Oktober 1981. Die Erneuerung des Kirchendaches erfolgte nordseitig 1985 und südseitig 1986. Das Sakristeidach wurde 1987 erneuert. In der Nachwendezeit erhielt die Apsis ein neues Schieferdach. Außerdem erhielt die große Glocke ein funktionierendes Läutewerk. Eine weitere Kircheninnenraumsanierung wurde durchgeführt, und die Heizung wurde vollständig auf Elektroheizung mit Infrarotstrahlern umgestellt. Die Übergabe derselben erfolgte am 22.12.1994. Die gesamte Elektroinstallation wurde erneuert. Infolge mangelhafter bzw. fehlender Isolation kam es zu Feuchteschäden in der Apsis, der Sakristei und dem Turmunterbau. Es erfolgte eine Sanierung der Grundmauern und das Verlegen einer Drainage. Gleichzeitig wurden die Blitzschutzringleitung erneuert und die Wege neben der Kirche gepflastert. Die Dämmung und Dielung des Bodens über dem Kirchenschiff wurde in Eigenleistung von Gemeindegliedern vorgenommen. Des weiteren wurde eine Mikrofonanlage installiert.

Anlässlich des 50-jährigen Kirchweihjubiläums im Jahre 2004 wurden durch einen anonymen Spender Mittel für die Anfertigung des Jodokus-Bleiglasfensters zur Verfügung gestellt. Die Gestaltung des Fensters wurde von dem Künstler Andreas Felger übernommen. Im Zeitraum von 09/2016 bis 04/2017 erhielten alle Fenster im Schiff und der Empore einen neuen Innenanstrich.

Auf Grund nordseitig aufgetretener sichtiger Rissebildung im Kirchenschiff, verursacht durch die eisernen Windstützen im Mauerwerk selbst, erfolgte von April bis Ende November 2005 eine umfassende Sanierung der bereits korrodierten Windstützen. Die Nordseite erhielt eine neue farbige Putzschicht. Gleichzeitig erfolgte auch die Überholung der Fenster (Wetterschenkel und neue Fensterbleche aus Kupfer). Bis auf Klempner- und Maurerarbeiten wurde alles andere in Eigenleistung durch Gemeindeglieder erbracht. Von Mitte März  bis Mitte April 2007 erfolgte die Fassadeninstandsetzung im Bereich des Hauptportals.

Von Mitte August bis Mitte September 2009 wurden die acht auf dem Kirchendach befindlichen Gauben saniert. Dabei wurden die maroden Stichbogenfenster ausgetauscht und eine neue Verschieferung aufgebracht. Im April 2010  wurde im rechten Treppenaufgang der Kirche – Further Seite – das aus der ehemaligen Predigtstätte Kohlung/Wasserscheide stammende farbige Altar-Rundfenster eingebaut. Am 28.04.2012 erfolgte die Neuverfugung der Treppen zum Eingangsportal.

Sanierung Kirchturm

Auf Grund von Witterungseinflüssen hatte sich der Putz am Turm an mehreren Stellen gelöst und wurde zur Unfallgefahr. Dadurch wurde die Substanz des Baukörpers beeinträchtigt. Aus diesem Grunde wurde der Putz an Turm und Apsis abgetragen und durch neuen ersetzt. Die Sanierungsarbeiten fanden in der Zeit von April bis August 2014 statt, wobei der Putz die gleiche Farbfassung wie die bereits sanierte Nord- und Westseite erhielt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 93.000 Euro, wobei die Entfernung und Beräumung des alten Putzes in Eigenleistung erbracht wurde.

Sanierung der Kirchensüdseite

Von Mitte April 2018 bis Anfang September wurde die Sanierung der Südseite vorgenommen. Durch den alten Putz war das Mauerwerk von Rissen durchzogen, verursacht durch die eingebauten senkrechten rostenden Eisenträger, die Mauerwerk und Putz auseinander trieben. Mit 200 Stunden Eigenleistung im Wert von 4.000 € wurde der Putz entfernt sowie die äußeren Seiten der Stützen freigelegt. Diese wurden vom Baubetrieb mit Beton verwahrt und Grund- und Deckputz aufgebracht. Vorher wurden das Traufgesims und die Fensterbänke saniert, wobei letztere jetzt eine Kupferverkleidung tragen. Mit dem Anstrich der Fassade und der Überarbeitung der Fenster wurden die Arbeiten abgeschlossen.

Weitere geschichtliche Informationen: