HimmelfahrtJesus nicht mehr da,

dafür aber der Heilige Geist!Pfingsten

Ach, wäre das schön, so wie die Jünger vor 2000 Jahren, einfach mit Jesus durch die City laufen zu können. Geht nicht. Jesus ist nicht mehr da. Himmelfahrt heißt: Schnitt; „räumliche“ Trennung. Ich hier, er dort. „Jesus… sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“ (Apostolisches Glaubensbekenntnis). – Jesus hat versprochen, trotzdem immer da zu sein (Matthäus 28), aber das ist nicht das gleiche wie gemeinsam durch die City laufen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Jesus sich persönlich „blicken lässt“, so wie es Saulus und Hananias „nach Himmelfahrt“ geschieht (Apostelgeschichte 9). Jesus lässt sich das nicht nehmen – bis heute, und wenn’s in Träumen und Visionen ist. Aber die „räumliche“ Trennung hebt das trotzdem nicht auf.
Wir hier, er dort.

Himmelfahrt ist Trennung. Die Jünger – wir – bleiben zurück wie Kinder, deren Eltern vorausgehen. Das schmerzt. Dieser Verlust will in uns geboren werden, dass daraus Sehnsucht wächst. Der Schmerz will gefühlt und erstmal ausgehalten sein. Wir haben Jesus nicht leibhaftig da. 

Freilich, die Vorteile überwiegen: Ihm ist so jetzt alle Macht gegeben – im Himmel und auf Erden (vgl. Matthäus 28). Er ist ganz nah bei unserem Vater. Ganz nah dran! Doch die Nähe auf der einen Seite hat als Konsequenz die Distanz auf der anderen. – Schmerz. Das Schwert der Trennung. 

Schmerz braucht Trost und der kommt. 

Jesus bereitet die Jünger auf den Abschied vor, sagt ihnen: Keine Angst, ich lasse euch nicht als Waisen zurück. Ich werde den Vater bitten, dass er euch einen Tröster schickt, der bei euch ist in Ewigkeit (vgl. Johannes 14,16-18). 

Der, der uns hinwegtröstet über das Getrenntsein von Jesus, ist der Heilige Geist – sein Geist, der Gottes guter Geist ist. Der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, aber wir. Wir kennen Jesus, darum kennen wir auch ihn. Er bleibt bei uns und ist in uns.

Jesus lässt uns nicht verwaist zurück. Er sagt: Ich komme zu euch und rede mit euch. Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe (vgl. Johannes 14,18-26). 

Das Neue Testament ist ein großer Schatz, gibt Sicherheit und Verlässlichkeit. Wir wüssten nichts vom Tröster ohne Johannes 14, wüssten nichts verlässlich von Jesus ohne das Neue Testament. Aber der gesandte Tröster ist es nicht. Er redet dort, und gerade dort. Aber der Tröster selbst ist mehr als das aufgeschriebene Wort. Nicht Papier ist unser Trost, sondern der Geist ist unser Tröster. 

Darum sind wir gerufen, den Geist zu haben, den Geist zu kennen, und den Geist von andern Geistern unterscheiden zu können. 

Kirche (von griechisch „kyriake“ = dem Herrn gehörig) ohne den Heiligen Geist geht und gibt es nicht. Sie wäre leer, geistlos, tot. Der Geist des Herrn wirkt in seiner Kirche und durch seine Kirche. Das meist sehr verborgen: Dass wir Jesus unsern Herrn nennen und an ihn glauben können, ist Wirkung des
Heiligen Geistes (1. Korinther 12,3). Doch es gibt noch soviel mehr, was der Herr uns durch den Geist schenken will. Auch hier gilt es, Sehnsucht zu entwickeln, leer zu werden – durch die Erkenntnis: Wir sind als Kirche nichts ohne die Kraft des Geistes des Herrn. Mit dem Herrn sollen wir die Welt bekannt machen, die gute Botschaft von ihm unter die Leute bringen. Doch wie, da wir doch so kraftlos sind…

Gemäß Lukas-Evangelium 24,49 hat Jesus seine Jünger aufgefordert, nicht ohne sein kraftvolles Dynamit der Liebe und Vollmacht in die Welt hinauszuziehen. Er sagt: „Siehe, ich sende auf euch, was mein Vater
verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.“ Kraft – griechisch „dynamis“.

Der Geist Gottes ist in der Welt, ist ausgegossen. Daran erinnert uns Pfingsten. Doch er will auch immer neu empfangen sein. – Wie der Geist in Jerusalem auf die wartenden Jünger und Jüngerinnen fiel, sie veränderte, ermutigte, begabte, bevollmächtigte, beschreibt die Apostelgeschichte Kap. 2. Er überkam sie, denn sie machten sich leer und wussten, dass sie noch etwas brauchten. „Nur in leere Krüge gießt sich gut der Wein.“

Auch später fällt der Geist auf jene, die zu Jesus finden (Apostelgeschichte 10,44). Der Geist wirkt in uns den Glauben, aber er will uns auch mit Kraft ausrüsten. Denn ohne seine Kraft ist es einfach viel
schwerer, seinen Auftrag auszuführen.

Was alles möglich ist, wenn Gott in uns wirkt… (siehe u. a. Römer 12,
1. Korinther 12-14, Markus 16,17-18).  

Sehnsucht nach Jesus… macht Sehnsucht nach dem Geist! 

Glaube, warte und empfange… mehr und mehr von ihm.

Darin verbunden mit Ihnen
Ihr Pfarrer Markus Gnaudschun