In freudiger Erwartung

Warten lässt sich nur vorwärts. Doch Jahre des Wartens können in meinem Rücken sein. Warten kann müde machen, aber in guter Erwartung sein, hält die Augen offen.

Ich nehme mir das Apostolische Glaubensbekenntnis zur Hand und schaue, wo ich dort überall Warten finde. Gleich am Anfang, nicht leicht zu entdecken: Die Erwartung, dass Gott – väterlich sorgend – das Rad der Schöpfung auch heute weiterlaufen lässt; und dass er sich schließlich doch als der All-Mächtige erweisen wird. ––– Ich sehe das lange Warten Israels auf den Messias, und eine Jungfrau in freudiger Erwartung. Ich sehe einen, der auf das Ende der Schmerzen, ja auf den Tod wartet. Ich lese von der Erwartung, dass der, der das Leid und den Tod am eigenen Leibe kennt, jetzt Gottes rechte Hand ist, und dass er von dort aufbrechen wird, um das Krumme in der Welt zu richten. Ich sehe die Erwartung, dass dies keiner verpassen wird, keiner der Lebenden und keiner der Toten. ––– Ich sehe die Erwartung, dass nicht die Materie alles ist, sondern Gottes guter Geist uns beieinander hält, dass er es schafft, aus mir doch noch einen Heiligen zu machen. Ich sehe die Erwartung, dass ich durch Christus immer wieder neu anfangen darf, dass ich nicht festgenagelt werde in dem, was nicht gelingt. Ich sehe die Erwartung, dass selbst das Unmöglichste bei Gott möglich ist – Tote stehen auf zu neuem Leben, und dass dieses ewig währen wird.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis – ein Glaubenszeugnis voller Erwartung.

Wie geht es Ihnen mit dem Thema Warten? Haben Sie noch Erwartungen? Auf was warten Sie zur Zeit besonders? Auf wen? Von wem erwarten Sie die große Veränderung, und von wem gar nichts mehr?

Und schließlich: Wie steht es bei Ihnen um die Erwartung Gottes? Nicht nur wir erwarten etwas, sondern auch er von uns!

Ich glaube, „alles wird gut“, wenn ich „alles“ von Gott erwarte, und dann bereit bin, seine Erwartungen an mich zu hören und in die Tat umzusetzen.
Wenn ich so herum warte, erwarte ich nicht zu viel von mir und anderen, sondern kann getrost „alles“ Gott überlassen – und in freudiger Erwartung sein.

Herzlichst, Ihr Pfr. Markus Gnaudschun