Lösungen finden
Es war einmal… vor vielen, vielen Jahren… alles war gut, alles war schön. Aufbruchstimmung. Die Gemeinde in Jerusalem: ein Herz und eine Seele. Keiner leidet Mangel. Alle sind glücklich und zufrieden. Die Gemeinde ist täglich beieinander – trinkt, isst, feiert, und lobt von Herzen den lieben Gott. Die ganze Umgegend staunt über das gesegnete Miteinander. Jeden Tag holt der Herr Jesus Leute zur Gemeinde dazu. So beschreibt die Apostelgeschichte Kap. 2,44+47 das Gemeindeleben der ersten Zeit. – Alles wunderbar, alles schön.

Doch nur 4 Kapitelchen später ist alles schon nicht mehr so schön: Die Gemeinde ist so groß geworden, dass wichtige Dinge liegen bleiben; Menschen werden übersehen, ja sogar vergessen. Ein Gemeindebereich beschwert sich, dass seine alten Damen nicht ausreichend im Blick sind. Unmut macht sich breit (Apostelgeschichte 6,1). Eine Lösung muss her.

Die Leitung kommt zusammen (berät und betet? Steht nicht da, aber ich gehe davon aus). Dann wird die Lösung präsentiert: „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. Darum seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.“

Wie finden Sie diese Lösung, dass die Gemeindeleitung nicht selbst ans Werk geht, sondern die Sache der Gemeinde als Aufgabe zurückgibt? Selbst sollen sie nach einer Lösung suchen. Wie diese aussehen könnte, dazu gibt die Leitung Tipps. Finden Sie diesen Lösungsansatz gut?

Wie hat die Gemeinde damals reagiert? Schauen wir mal: „Die Rede gefiel der Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel“ (Apostelgeschichte 6,5ff). Die beteten und legten den neuen Verantwortlichen die Hände auf, beauftragten und segneten sie im Namen Gottes für ihre spezielle Aufgabe. Die Apostel selbst aber blieben bei ihrem Schwerpunkt Gebet und Verkündigung. So konnte sich das Evangelium weiter ausbreiten. Die Gemeinde wuchs. – Was wäre geworden, wenn die Apostel einfach die sich auftuende Lücke selbst gefüllt, die Sache selbst in die Hand genommen hätten?
Damals in Jerusalem wächst die Gemeinde zahlenmäßig, die Gemeinden heute durch (nötige) Strukturvereinigungsprozesse eher in der Fläche (leider hauptsächlich nur in der Fläche). Das Zuständigkeitsgebiet wird größer.
Gerade deshalb wird es immer wichtiger, Epheser 4,11+12 neu in den Blick zu nehmen: Unser Herr, Jesus, gab und gibt in die Gemeinde hinein Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer. Aber nicht, damit sie die damit
verbundenen Aufgaben selber tun, sondern „damit die Heiligen (= die Gemeinde) zugerüstet werden zum Werk des Dienstes.“ Die Menschen mit Amt sind dazu da, anzuleiten und zu befähigen. Sie SOLLEN die Dinge nicht einfach selber machen. Das TUN soll sich auffächern hinein in die Gemeinde – so wie es bei uns schon an vielen Stellen ist.

Die Versuchung ist, bei sich auftuenden Lücken diesen Pfad zu verlassen. Bloß nicht! Wir würden es bereuen. – Darum:
Wo sich Lücken auftun, Lücken benennen (und Lücken lassen). Beraten, beten, Lösungen finden… Menschen suchen und befähigen. ––– Gute Lösung?

Ihr Pfarrer Markus Gnaudschun